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PROBLEMLÖSUNGEN


Die verscheuchten Elefanten


Ein Mann klatscht alle paar Sekunden in die Hände. Ein anderer fragt ihn, warum er das tut. Der Mann gibt an, mit dem Klatschen Elefanten verscheuchen zu wollen. Der Fragende merkt an, dass es hier doch weit und breit keine Elefanten gebe. Darauf der Klatscher: „Na also! Sehen Sie!“

 

Die kleine Geschichte bringt es auf den Punkt: Manchmal kann die Lösung das Problem unendlich verlängern. Dann ist die Lösung sozusagen selbst das Problem oder sorgt durch ihre dauerhafte Anwendung dafür, dass man ein Problem erwartet, wo eigentlich keines (mehr) ist. Gefahrenvermeidung kann also eine Gefahrenverlängerung bedeuten. Ähnlich ist es bei den Gefahren, die im Alltag lauern: Raubüberfälle, einstürzende Gebäude, Autoabgase, herabstürzende Teile von Raumsonden. Wer sich davor schützen will, indem er im Bett bleibt, ist auch nicht sicher. Er kann sich zum Beispiel wund liegen. Die Vermeidung jeder Gefahr kann zu zwanghaftem Handeln führen, das garantiert unglücklich macht. Vergessen Sie also nie das Desinfektionsmittel, wenn Sie mitten im Konzert auf eine fremde Toilette müssen, und überzeugen Sie sich fünfmal, ob Sie die Haustür auch wirklich abgesperrt haben.

 

 

(Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein, 2014)

 

Paul Watzlawick war promovierter Philosoph. Außerdem ließ er sich am C.-G.-Jung-Institut in Zürich zum Psychoanalytiker ausbilden und lehrte in Stanford im Fach Psychiatrie.